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KI - Eine apokalyptische Vision

Allegorie oT5 (Robot), 2017, Öl auf Holz, 100*50 cm

"Apokalyptische Vision
Und ein Wesen von künstlichem Geist erschien in der Welt, das sich anstellte Mensch zu sein. Doch war es eine Chimäre, die einem gottlosen Robot glich, mit einer menschlichen Gestalt, einem tierischen Kopf und dem unbeholfenen Gang einer Maschine. Ihm bedeutete die Welt nichts, denn es fraß die Schöpfung auf, verdaute sie und schied das Chaos aus.“

Zitat aus meinem Buch „Domseelen – Sinnspuren im Aachener Dom“.

Wer mich etwas besser kennt, weiß um meine stete Suche nach verborgenen Wirklichkeiten und dem Mystisch-Surrealen. Häufig finde ich jedoch Analogien, die keineswegs surreal daherkommen, sondern einen offensichtlichen Bezug zur „Wirklichkeit der Dinge“ ahnen lassen. So erging es mir mit diesem Bild einer Vision zu KI (künstliche Intelligenz) aus dem Marmor des Aachener Doms. Passend zu diesem Thema lief am Abend des 21.4.2020 auf Arte der Film iHuman, zu dem es in der FAZ am selben Tag einen lesenswerten Artikel (Titel: Allein unter Monstern) von Ursula Scheer gab. Die Dokumentarbilder und Interviews mit den sog. Jüngern der KI im Film offenbaren eine auf uns Menschen bezogen apokalyptische Zukunftsvision. Eine „gute“, d.h. menschenfreundliche KI wäre eine Illusion. Die Beziehung von grenzenlos lernenden, eigenmächtig handelnden digitalen Systemen würde sich ungefähr darstellen wie das Verhältnis, das wir zu Tieren pflegen: Wir hassen sie nicht, doch unterwerfen sie skrupellos unseren eigenen Zielen.

Aber was tun wir Menschen mit diesen Informationen? Ist es nicht so, dass wir, von ein paar schlaflosen Nächten vielleicht abgesehen, die Entwicklungen, eben weil wir sie in der Tiefe nicht verstehen, einfach hinnehmen oder, schlimmer noch, ignorieren? Wie kann es sein, dass wir im Alltag uns einlullen lassen von den äußeren Annehmlichkeiten in den Fängen von Google, Facebook, WhatsApp, Amazon usw.? Warum erkennt und diskutiert nicht die Jugend die apokalyptische Kehrseite in mindestens gleichem Maße, wie sie den Klimawandel anprangert?

Mein Appell als Maler: Aufwachen, wachsamer werden und nicht im Angesicht der einen Gefahr die größere übersehen, die von den falschen Berufenen des digitalen Zeitalters ausgeht.

In „Vom Wunder der Welt“ aus dem uralten Tao te king klingt die düstere Vision als Teil des Weltensinns an, und doch ist da ein Trost. Allerdings ein schwacher nur, wenn wir KI in seiner Entwicklung als Naturgegebenheit hinnehmen. Aber genau das ist sie ja nicht!

 

Nicht Liebe nach Menschenart hat die Natur:
Ihr sind die Geschöpfe wie stroherne Hunde,
Zum Opfer geputzt, dann verworfen …

Nicht Liebe nach Menschart hat der Berufene,
Der Starke des Schicksals: Er opfert die Menschen
Dem größeren Ziel …

Doch seht: Ist die Erde nicht sicher gegründet,
Beständig die Kuppel des Himmels gewölbt,
Mit Sonne und Sternen und glänzendem Monde,
Und ewig das Leben? –

Wir kennen die Kraft nicht, die Alles beweget,
Das Ziel nicht, dem alles entgegen sich trägt,
Und staunen des Wunders …

Doch Worte versagen -
Hier ziemt es zu schweigen
Und stumm in den Abgrund des Rätsels zu schaun …

 

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