"Widerstand inhaftiert" lautete eine Ausstellung der Ritsche-Fisch Galerie in Straßburg im Frühjahr 2026, die mich aufmerksam machte, als ich darüber las. Kuratiert von Pussy Riot zeigte sie Werke von fast 30 Künstlern, die in Russland inhaftiert sind, darunter Zeichnungen und Illustrationen von Anastasia Dyudyaeva aus dem Straflager. Sie war am 18. Juli 2024 von einem Militärgericht zu dreieinhalb Jahren in einer Strafkolonie verurteilt worden.
Gemeinsam mit ihr war auch ihr Ehemann Alexandr Dotsenko angeklagt und verurteilt worden. Er starb am 19. Februar 2026 in einem Gefängniskrankenhaus, angeblich an den Folgen eines Herzinfarktes. Unbarmherzig verweigerten die Bonzen des seelenlosen Apparates Anastasia die Teilnahme an seiner Beerdigung.
Als Vorlage für mein Portrait wähle ich ein Bild, das das unschuldige Paar im Glaskäfig während des Prozesses in St. Petersburg zeigt. Den Bonzen, Schergen und sensationsheischenden Fotografen schutzlos ausgeliefert mussten sie scheinbar jede Zuversicht fahren lassen. Eine Pietá für die letzten Augenblicke ihres Zusammenseins. Der Aufdruck auf dem Shirt spricht aus, was zeitlos wahr ist und hält der seelenlosen Diktatur den Spiegel einer besseren Welt vor.
Wir dürfen Anastasia und das, wofür sie und so viele andere unschuldig leiden, nicht vergessen.


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