RADIERUNG

Ein nostalgischer Rückblick auf die Anfänge:

Die erste Beschäftigung mit der 'Kunst des Radierens' geht auf meine Zeit im ATELIER 17 in Aachen zwischen 1976 und 1984 zurück. Im ATELIER 17, Insider der Szene von damals werden sich noch gut erinnern, arbeiteten die jungen Autodidakten Harald Düring, Helmut Lynen von Berg und ich mit alten Techniken und vorzugsweise kleinen Formaten. Hier ein kleiner nostalgischer Eindruck aus der Arbeit im Atelier mit Bildern, die ich 1980 in einem Vortrag zum Thema Radierung gezeigt habe.

"Wie konnte es geschehen?" - Vorlage Bleistiftzeichnung
"Wie konnte es geschehen?" - Vorlage Bleistiftzeichnung

Heute:

Mehr als 40 Jahren beschäftige ich mich nun mit der 'Kunst des Radierens'. Diese „alte“ Grafiktechnik fasziniert mich bis heute und ich schätze die mannigfaltigen, experimentellen Möglichkeiten mich darin auszudrücken.

Die Radierung verstehe ich nicht als rein technisches Medium zur Vervielfältigung sondern als Mittel zum Schaffen einer zeitgenössischer Kunst, die ich den modernen künstlerischen Medien bewusst entgegen stellen möchte.

Die Abbildungen veranschaulichen den Weg von der Vorlage über den Druckstock zum Druck.

Der Arbeitsprozess beginnt mit der Idee des Themas als Bildvorlage, dem Original, z.B. als Zeichnung oder Aquarell.

 

"Wie konnte es geschehen?" - Druckstock Aquatinta (Ausschnitt)
"Wie konnte es geschehen?" - Druckstock Aquatinta (Ausschnitt)

Die Vorlage wird im nächsten Schritt auf die Metallplatte (Druckstock, z.B. Kupfer, Messing oder Zink) mit geeigneten Mitteln übertragen, abhängig davon, welche der verschiedenen Untertechniken des Tiefdrucks angewendet werden soll, etwa:

  • Direktes Bearbeiten / Zeichnen / Ritzen in die Platte, ohne Ätzverfahren
    „Kalte Nadel“, ergibt i.A. eine harte Strichradierung
  • Pausen / Zeichnen / Ritzen in einen Ätzgrund, Ätzen
    Ätz-Radierung, ergibt eine Radierung mit feinerer Linienführung 
  • Übertragung durch Abdecken eines feinverteilten Korns aus Asphalt oder Kollophonium, etappenweises Ätzen mit weiterem Abdecken
    „Aquatinta“-Manier, erlaubt diskrete Grau- bzw. Farbstufen
  • Vollkommenes Aufrauhen der Plattenoberfläche mittels z.B. Wiegeeisen und herauspolieren oder schaben der Helligkeitsstufen
    „Mezzotinto“-Manier, Schabkunst, erlaubt weich ineinander übergehende Flächen bzw. Graustufen
  • Pausen und Durchdrücken des Motivs in einen weichen Ätzgrund, Ätzen
    „Vernis mou“, führt zu weichen Linien ähnlich einer Blei- oder Kreidezeichnung
"Wie konnte es geschehen?" - Aquatinta - Druck auf Büttenpapier (Ausschnitt)
"Wie konnte es geschehen?" - Aquatinta - Druck auf Büttenpapier (Ausschnitt)

Die obige Aufzählung zeigt die Vielzahl an künstlerischen Gestaltungsmöglichkeiten, die jedoch erst am Ergebnis des nächsten Schrittes final sichtbar werden: Einwaschen der Farbe auf die Platte, Freipolieren der Oberfläche und Abzug auf z.B. Büttenpapier in der Tiefdruckpresse. Mit Ausnahme von einfarbigen Strichradierungen eröffnet die malerische Bearbeitung des Druckstocks, vor allem bei Aquatinta und Mezzotinto, große künstlerische Freiheiten. Dementsprechend sind auch die Blätter, da diese ausschließlich von mir selbst abgezogen werden, als Unikate zu sehen. Sie werden in kleiner Auflagenhöhe gedruckt.